Alle wollen Joost! Oder?

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mit dem heutigen Blogeintrag ein wenig zu weit nach vorne greife bzw. Lücken bilde, die an einem späteren Zeitpunkt zu schliessen sind, gehe ich heute mal der Frage nach, ob Joost eine Art Medium ist, welche der heutige Internetuser oder Fernseher braucht oder wenigstens angenehm findet. Ich werde heute nur mal erste Gedanken einbringen, und nach genauerer Betrachtung von Joost sicherlich nochmals darauf zurückkommen. Schliesslich gehört die Frage zu meiner Themafrage: Joost – auf der Suche nach dem neuen Leitmedium?

Jörg Rohleder schreibt in der Berliner Vanity Fair vom 9. Februar 2007: „Folgt man Europas führendem IT-Visionär [Niklas Zennström], dann ist Joost die letzte Fernsehinstanz, die wir jemals brauchen werden. Anstatt wie bisher darauf zu hoffen, dass etwas in der Kiste läuft, ist der Zuschauer bei Joost sein eigener Programmchef: weil ihm das, was er sehen will, dann zur Verfügung steht, wann er will.

In einem Artikel der FAZ.Net (Frankfurter Allgemeine) steht: „Die Leute lieben das Fernsehen, aber sie hassen es auch. Sie lieben die manchmal erstaunlichen Geschichten, die reiche Auswahl und die Qualität. Aber sie hassen die Gleichförmigkeit, den Mangel an Auswahl und den Mangel solcher Basisangebote wie Suchfunktionen“, sagt Friis. Diese Mängel können im Internet behoben werden. „Fernsehen, das ist 507 Kanäle und mehr nicht. Wir werden helfen, das zu ändern.“ (Winand von Petersdorff, 27.01.2007)

Mir kommt zum Zeitpunkt der Verfügbarkeit folgende eigene Erfahrung in den Sinn: Viele Filme, die ich auf DVD zu hause habe, schaue ich mir meistens dann, und nur dann an, wenn er im Fernsehen übertragen wird. Natürlich ist dass nicht immer der Fall, aber ich weiss, dass es bei mir oft Momente gibt, in denen ich den Fernseher gerne über das Programm bestimmen lasse. Genauso wie die tägliche Arbeit und der zweimal-wöchentliche Gang nach Zürich zum Unterricht zu meinem geregelten Tagesablauf gehört, tut dies auch der Fernseher. Bestimmt zu einem weniger obligaten, jedoch nicht viel weniger wichtig Teil. Ein weiteres Beispiel von mir dazu: Die Fernsehserie Lost lief jeweils Montagabend um ca. 21.00 Uhr. Ich sass also jeden Montagabend um diese Uhrzeit vor dem Fernseher, und falls das wegen anderen Terminen nicht möglich war, so habe ich mir die Sendung aufgezeichnet oder eine Wiederholung angesehen. Seit ich mir die Serie jeweils ungebunden an einen bestimmten Termin im Internet angesehen habe, hat sich diese Struktur natürlich sofort aufgelöst. Ich sehe mir die Serie spätabends vor dem Einschlafen an oder als Ablendung, wenn ich anderes (wichtigeres) erledigen sollte. Je nach dem, wenn ich gerade Lust habe und vorallem, wenn es mir gerade in den Sinn kommt.

Das klingt super. Klingt nach Freiheit. Man muss damit aber auch umgehen können.

Ich will hier auf keinen Fall allzu philosophisch werden, da es sich um Fernsehen handelt, aber trotzdem stelle ich mir die Frage in wieweit die grosse Masse an Fernsehenden bereit, befähigt und gewillt ist, diese Programm-Freiheit zu managen. Ein lockeres und sinnloses ‘umherzappen’ gibt es dann nicht mehr, oder aber dann mehr im Stile vom Surfen im Internet. Der User muss Input geben und kann nicht mehr nur konsumieren. Es ist so gesehen, eine lohnende Entwicklung, aber ich glaube, dass momentan noch zu wenige bereit sind, ihre bisherigen Gewohnheiten rasch zu ändern. Und um ein Leitmedium zu sein, ist genau das notwendig.

Eine Antwort zu “Alle wollen Joost! Oder?”

  1. Nun gut, ich gebe es zu. Ich gehöre zu der Gruppe der Fernsehenden, die des öfteren gerne mal etwas wahllos in den Fernsehkanälen rumzappen und dabei Filme, TV-Serien , Kochsendungen und Quizshows gleichzeitig konsumieren. Erstens mache ich das, weil die meisten Sendungen so grottenschlecht sind, dass einem ja nichts anderes übrig bleibt, als verzweifelt nach einem besseren Programm zu suchen, zweitens zwingen einem die endlosen Werbepausen dazu und drittens bin ich einfach gerne an mehreren Orten gleichzeitig und das kann man nirgends so gut wie zuhause auf dem Sofa oder dem Bett mit der Fernbedienung in der einen und der Chipspackung in der anderen Hand! Klar, ich könnte mir ja auch einfach einen DVD reinschieben und dann würde Ruhe einkehren. Da ich aber über keinen DVD-Apparat verfüge, sondern nur über einen klitzekleinen 10 Jahre alten Fernseher bleibt es also momentan beim Rumzappen. Irgendwie kann man dabei eben auch so schön entspannen, finde ich und den Kopf leeren…andererseits, beim Lesen Deines Blogs denke ich auch, dass es mir gefallen würde, mein eigener Programmchef zu sein, über verschiedene Fersehkanäle zu verfügen und mein eigenes TV-Menu zusammenzustellen. Eigentlich ja nur eine Anpassung meinerseits an die heutigen veränderten kulturellen und sozialen Verhaltensweisen. Im Internet werden ja von den Benutzern ständig irendwelche Inputs geliefert. Jeder und jede kreiert, generiert und gestaltet Inhalte was das Zeug hält. Warum also nicht auch beim eigenen Fernsehprogramm? Vor allem die jüngeren Generationen, bereits mit dieser „Do-it-yourself“-Einstellung grossgeworden wird Joost vermutlich lieben. Ich bleibe unterdessen noch etwas auf dem Sofa liegen, schwinge die Fernsehbedienung und überlege mir, ob ich lieber konsumiere oder produziere. Vielleicht hilft mir ja Dein nächster Beitrag bei der Entscheidung.

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